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03.06.2026
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MEHR TEMPO BEIM KINDER- UND JUGENDMEDIENSCHUTZ GEFORDERT

Warum das Regelwerk trotzdem nicht immer mit den Innovationszyklen der Internetangebote Schritt halten kann

Jutta Croll, Geschäftsführerin bei Zentrum für Kinderschutz im Internet - I-KiZ

Jutta Croll, Geschäftsführerin bei Zentrum für Kinderschutz im Internet - I-KiZ [Quelle: Kinderschutz im Internet - I-KiZ]


Die Geschäftsführerin bei Zentrum für Kinderschutz im Internet, Jutta Croll, fordert mehr Tempo beim Kinder- und Jugendmedienschutz. "Die schnellen Innovationszyklen, die wir bei Internetangeboten sehen, machen es notwendig, darauf mit ebenso schnellen Antworten zu reagieren." Doch oft bräuchten gute gesetzliche Regelungen des Jugendmedienschutzes viel Zeit. Daher plädiert die Expertin für mehr Initiativen der Ko- und Selbstregulierung, die dann auch länderübergreifend wirksam werden.


Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien soll zu einer Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz umgebaut werden. Was kann und soll die neue Behörde anders machen?
Kerngeschäft der Bundesprüfstelle ist die Indizierung von Inhalten. Bisher wird es bekannt gemacht, wenn Inhalte auf Trägermedien wie CDs, DVDs oder Büchern von der Bundesprüfstelle auf den Index gesetzt und somit Kindern und Jugendlichen nicht zugänglich gemacht werden dürfen. Bei indizierten Webinhalten ist das derzeit aber noch nicht der Fall. Das soll sich ändern. Mit der Modernisierung der BPjM soll auch ein Informationsauftrag in Bezug auf indizierte Internetinhalte einhergehen, damit Eltern künftig auch Auskunft dazu erhalten können, welche Inhalte im Netz ihre Kinder gefährden. Zu den Aufgaben der BPjM soll in Zukunft auch Prävention gehören, und es ist geplant, dass sie ihr Angebot dahingehend ausbauen wird, positiv geeignete Inhalte für Kinder bekannt zu machen.

Geplant ist ein neues Gütesiegel, mit dem geprüfte, kinder- und jugendgerechte Angebote ausgezeichnet werden. Wie bewerten Sie das?
Es gibt bereits gute und etablierte Initiativen, die unbedenkliche Webangebote für Kinder zusammenstellen oder auszeichnen. Hier sind der geschützte Surfraum www.frag-finn.de, der maßgeblich durch das Engagement von Unternehmen ermöglicht wird, und das Siegelverfahren des Erfurter Netcode zu nennen.
Die Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen ist heute geprägt durch Kommunikation und Interaktion mit anderen sowie Austausch und Nutzung von selbst erstellten Onlineinhalten. Neben der Orientierung in kindgerechten Inhalten brauchen Eltern daher auch Informationen darüber, welche Art von Diensten und Services von Kindern verschiedener Altersgruppen unbedenklich genutzt werden können. Als Merkmale der altersgerechten Eignung sind bei Kommunikationsdiensten zum Beispiel sichere Voreinstellungen für jüngere Kinder zu nennen oder Instrumente, die innerhalb der Anwendung die Medienkompetenz von Jugendlichen stärken.

Die Eltern sollen bei der Medienerziehung ihrer Kinder unterstützt werden. Was kann der Staat da leisten?
Der Staat schafft mit dem JMStV und dem JuSchG die Voraussetzungen dafür, dass es verlässliche Alterskennzeichnungen gibt, an denen sich Eltern und Kinder orientieren können. Eine Auszeichnung oder ein Gütesiegel kann zusätzliche Anreize für Unternehmen setzen, ihr Angebote so zu gestalten, dass Eltern diese Empfehlung aufgreifen und ihren Kindern ein positives Medienerlebnis ermöglichen können; dabei wäre es die Rolle des Staates darauf hinzuwirken, dass ein solcher Anreizmechanismus in Gang gesetzt wird.
In einer großen Zahl von staatlich geförderten Projekten und Initiativen werden auf Bundes- und Länderebene bereits jetzt Hilfestellungen für die Medienerziehung entwickelt. Künftig wird mit einem Dialogforum des Bundesfamilienministeriums eine Plattform für den Austausch dazu geschaffen, damit diese Anstrengungen gebündelt und für Erziehungsverantwortliche besser sichtbar gemacht werden können.

Welche weiteren Reformen wünschen Sie sich beim Kinder- und Jugendmedienschutz?
Die schnellen Innovationszyklen, die wir bei Internetangeboten sehen, machen es notwendig, darauf mit ebenso schnellen Antworten zu reagieren. Das ist nicht einfach, denn gute gesetzliche Regelungen des Jugendmedienschutzes brauchen Zeit. Deshalb sind Initiativen der Ko- und Selbstregulierung wichtig, die auch länderübergreifend wirksam werden. Das Internet ist ein global verfügbares Kommunikations- und Informationsmedium, das nicht vor Ländergrenzen halt macht. Die Harmonisierungsbestrebungen auf europäischer Ebene müssen weiter vorangetrieben und der Austausch mit Initiativen anderer Länder und international tätigen Unternehmen intensiviert werden. Wir können von internationalen Beispielen guter Praxis lernen, aber auch unsere eigenen Erfahrungen in die internationale Debatte einspeisen und gelungene Maßnahmen transferieren.