Streaming-Anbieter wie Spotify und usergenerated Radios wie Laut.de erzielen bei der aktuellen ma IP Audio sehr gute Ergebnisse. Nähert sich das Ende des linearen Radios?
Das klassische Radio ist sehr vital und ein fester Bestandteil des Medienalltags. Ein Trend weg vom klassischen linearen Radio ist nur schwer zu erkennen und schon gar nicht durch Streaming-Anbieter ausgelöst. Die Nutzungsindikatoren von Radio, wie Zahl der täglichen Hörer oder Verweildauern sind - trotz zunehmender Medienkonvergenz - auf unverändert hohem Niveau weitgehend konstant. Radio ist eben mehr als nur Musik. Radio ist mit seinem breiten und in vielen Themen auch bewusst spitzem, redaktionellem Profil ein Tagesbegleiter, der unterschiedliche Zielgruppen mit Information, Service, Hintergrund, Kontroversen und Gefühl bindet. Insofern steht Radio auch nur bedingt in direkter Konkurrenz mit Musik-Streaming-Anbietern.
Musik-Streamingdienste konkurrieren weniger mit den klassischen Radioangeboten, sondern vielmehr mit der Nutzung von Musikkonserven. Schon in früheren Zeiten wurde regelmäßig der Untergang von Radio prophezeit. Zunächst waren Musikkassetten die große Gefahr, später kamen CDs und Walkman und schließlich die mp3-Player, die als Konkurrent von Radio angesehen wurden, jetzt sind es die Streaming-Dienste. Die Erkenntnis dieser Evolution ist eindeutig: Walkman und IPod gibt es nicht mehr, aber die Jugendwellen des Radios erfreuen sich großer Beliebtheit. Im Übrigen auch die Vinylpressungen und hochwertige Plattenspieler. Die Menschen verlieren bewährte Partner eben nie ganz aus dem Blick. Letztendlich sind die unterschiedlichen Funktionen von Radio und Musik-Streamingdiensten, sowie die unterschiedlichen Nutzungssituationen entscheidend für das Nutzungsverhalten. Wer Service oder Information will oder im Auto unterwegs ist, der hört auch zukünftig Radio.
Wie sollten sich die etablierten Radiomarken für die Zukunft aufstellen?
Die etablierten Radiomarken sind meist gut aufgestellt, wie die aktuellen Hörerzahlen der ma Radio eindrucksvoll belegen. Sich kontinuierlich den Erwartungen der Hörer anpassen und auf allen Verbreitungswegen präsent zu sein, ist der richtige Weg.
Bislang sind wenige Streaming-Dienste oder Personal-Radio-Anbieter bei der ma IP Audio dabei. Werden Ihrer Ansicht nach weitere folgen?
Ich bin überzeugt, dass die Zahl der Teilnehmer an der ma IP Audio weiter steigen wird. Auch wenn es sich dabei nur um die Messung der Abrufzahlen handelt, sind diese doch erstmals umfassend und vergleichbar für den Online-Audio-Bereich dokumentiert und damit ein erster objektiver Leistungsnachweis. Wer sich als kommerzieller Anbieter diesem Marktstandard verweigert scheut die Transparenz. Bei der Bewertung der Leistungswertesollte man auch beachten, dass Abrufzahlen der ma IP Audio nicht mit Hörerzahlen gleichzusetzen sind. Es ist zutreffend, dass Spotify mit beeindruckenden Werten in der ma IP Audio gestartet ist. Allerdings sagen diese Zahlen nichts über die tatsächliche Zahl der Hörer aus. Diese Informationen wird erst die nächste ma Audio, also die Konvergenzdatei der agma, liefern können.



