Das Kraftfahrtbundesamt hat Tesla aufgefordert, sein System nicht mehr „Autopilot“ zu nennen, da es sich lediglich um ein Assistenzsystem handle. Ab wann ist ein selbstfahrendes Auto überhaupt ein solches?
Ein selbstfahrendes oder autonomes Auto ist eines das völlig ohne Fahrer fahren kann. Es braucht nicht wie ein automatisiertes Auto den Fahrer als Supervisor, der eingreift, wenn das System an seine Grenzen kommt. Oder anders gesagt, das selbstfahrende Auto kann mehr als automatisch einparken, es kann den Passagier zu Hause absetzen und dann einen Parkplatz suchen oder besser noch als Taxi den nächsten Fahrgast aufnehmen. Eine gern diskutierte Vision ist auch, dass ein autonomes Auto Kinder zu Hause abholt und in den Kindergarten oder in die Schule bringt und so das Mama-Taxi ersetzt.
Mit zunehmender Sicherheitstechnik wird das Fahren gefahrloser, aber zugleich wird die Technik für den Fahrer immer unberechenbarer. Bis zu welchem Grad ist mehr Technik aus Ihrer Sicht sinnvoll? Und wer ist für ein etwaiges Versagen verantwortlich?
Technik ist immer dann sinnvoll, wenn sie der Verkehrssicherheit und dem Umweltschutz dient. Klar kann auch jede Technik versagen, aber unberechenbarer ist der Fahrer! Das heißt, je mehr Fahrzeuge autonom unterwegs sind, desto höher wird voraussichtlich die Verkehrssicherheit. Für Fehler bei automatisierten oder autonomen Fahrzeugen muss die Herstellerhaftung neu gedacht werden. Wer die Software schreibt hat eine hohe Verantwortung. Denn Logarithmen entscheiden, was das Fahrzeug in einer definierten Situation tut, z. B. wohin das Auto ausweicht, wenn ein Aufprall sonst unvermeidbar ist.
Sicherheitsgurte sind Pflicht. Wie viel Sicherheitstechnik sollte gesetzlich vorgeschrieben werden?
Gegen jede neue Sicherheitstechnik wurde und wird gekämpft. Dennoch, Sicherheitstechnik ist unverzichtbar. Kein vernünftiger Mensch würde doch heute ein Auto ohne ABS bzw. ESP kaufen. Auch Abstandshalter und Notbremsassistenten werden sich durchsetzen. Irgendwann wird auch die Höchstgeschwindigkeit von außen beeinflusst, das ist klar.
In Deutschland scheinen viele Autofahrer Automatik-Lösungen skeptisch gegenüberzustehen, selbst die Kupplung wird im Unterschied zu anderen Ländern regelmäßig selbst bedient. Wie wirken sich derartige mentale Unterschiede auf die Zukunft des Autos aus?
Die deutschen Autofahrer sind mehrheitlich mit dem Werbespruch „Freude am Fahren“ sozialisiert worden. Das Automatikgetriebe war was für Weicheier. Im Gegensatz zu den meisten unserer europäischen Nachbarn wird es also in Deutschland etwas länger dauern, bis wir ein vernunftgeleitetes Verhältnis zum Fortbewegungsmittel Auto entwickeln. Aber es wird kommen, das wird spürbar, wenn man auf die jungen Leute schaut, für die das Auto kaum noch eine imageprägende Wirkung hat. Und kein Elektroauto hat ein Schaltgetriebe oder eine Kupplung.



