Eine Reihe von Firmen haben Mitarbeiter zumindest zum Teil aus dem Homeoffice wieder zurück ins Büro geholt - was ist aus Ihrer Sicht das richtige Maß bei Anwesenheit vs. Mobile Arbeiten?
Das richtige Maß hängt von vielen Einflussfaktoren ab. Beispielsweise: Um welche Tätigkeit handelt es sich? Wie groß ist das Unternehmen bzw. die Abteilung? Mit welchen Personen ist eine Zusammenarbeit sinnvoll oder notwendig? Wie gut kommt der Mitarbeitende zurecht? Welche Ressourcen werden benötigt? Welche davon sind nur im Büro verfügbar? Eine pauschale Angabe ist daher schwer möglich. Sinnvoll erscheint eine entsprechende Vereinbarung, die individuell zwischen dem Unternehmen, der Führungskraft und dem Mitarbeitenden getroffen wird.
Welche besonderen Anforderungen stellen Hybride Modelle an Führungskräfte und Mitarbeitende?
Im Zuge der Digitalisierung stehen zahlreiche Optionen für den Austausch und die Kommunikation zur Verfügung (beispielsweise Webkonferenztools). Um digitalen Stress durch Unzuverlässigkeit der Anwendungen und Unsicherheit im Umgang damit zu vermeiden, sind zeitnah telefonisch erreichbare Ansprechpartner für den technischen Support bzw. IT-Service notwendig. Schulungen und entsprechende Ausstattung unterstützen Mitarbeitende. Wichtig ist eine gute und regelmäßige Kommunikation, damit der Informationsfluss auch im Homeoffice gewährleistet ist. Von Seiten der Führung wird ein gewisses Vertrauen in die Tätigkeit ihrer Mitarbeitenden vorausgesetzt. Ergebnisse und zuverlässige Erledigung der Anforderungen stehen vor der reinen Anwesenheit. Für Mitarbeitende setzt dies eine selbstorganisierte und eigenverantwortliche Arbeitsweise voraus, die nicht für jedermann geeignet ist. Weiterhin bedarf es einer klaren Abgrenzung von Arbeit und Freizeit. Während im Büro Tätigkeit und Erholungszeiten örtlich und zeitlich differenziert sind, ist dies im Homeoffice nicht automatisch der Fall. Die Gefahr einer Entgrenzung von Arbeit und Freizeit besteht. Daher sollte auch im Homeoffice eine Abgrenzung in Form von Kleidung, Räumlichkeiten, Bildschirmhintergrund und einer zeitlichen Strukturierung stattfinden. Rituale zu Arbeitsbeginn und Arbeitsende - z. B. Wechseln der Kleidung - können die Abgrenzung erleichtern. Bei all den Möglichkeiten, die die virtuelle Zusammenarbeit bietet, kann sie jedoch den persönlichen Kontakt nicht ganz ersetzen. Das zwischenmenschliche Miteinander, das neben visuellen und auditiven Sinnen auch noch andere Sinnesqualitäten anspricht, und häufig informell zwischen den eigentlichen Aufgaben stattfindet (das Gespräch am Kaffeeautomaten oder beim Verlassen eines Raumes nach einem Meeting) ist kaum mit digitaler Technik zu verwirklichen. Daher sind persönliche Treffen nach wie vor wichtig. Diese sollten dann aber tatsächlich face-to-face sein und nicht via Bildschirm in benachbarten Büros. Der Austausch, die Interaktion und gemeinsame Pausenzeiten können ein Wir-Gefühl im Team stärken und dafür sorgen, dass der Kontakt auch aus dem Homeoffice häufiger gepflegt wird.
Welche Rolle kann die Möglichkeit Mobiler Arbeit beim Recruiting spielen?
Mobiles Arbeiten eröffnet Möglichkeiten – gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Lage der Infrastruktur und der Wohnungsmarktlage in Innenstädten. Es können Zielgruppen erreicht werden, die sonst wenig Chancen hätten Arbeit, Wohnort und Familie zu vereinbaren. Besonders in Anbetracht des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels kann dies einen Wettbewerbsvorteil im umkämpften Markt um gute Fachkräfte sein. Allerdings ist die Möglichkeit des Mobilen Arbeitens nicht in allen Branchen gegeben. Gerade im Gesundheits- und Dienstleistungssektor ist in der Regel Präsenz vor Ort notwendig.
Welche rechtlichen Regelungsbedarf sehen Sie auf diesem Feld?
Innovative Unternehmen, die für geeignete Tätigkeiten Homeoffice bzw. Mobiles Arbeiten anbieten, sprechen eine größere Zielgruppe an Beschäftigten an und sichern sich somit langfristig gute Fachkräfte. Es ist fraglich, inwiefern weitere gesetzliche Regelungen zur Ermöglichung und Umsetzung von Homeoffice und Mobilem Arbeiten beitragen oder eher zur Überregulation führen.
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Wie Führungskräfte und Belegschaft Mobile Arbeit richtig organisieren
Prof. Dr. Andrea Kleiner - Professorin für Gesundheitspsychologie, Kolping Hochschule Gesundheit und Soziales [Quelle: Kolping Hochschule]
"Im Zuge der Digitalisierung stehen zahlreiche Optionen für den Austausch und die Kommunikation zur Verfügung", konstatiert die Gesundheitspsychologin Prof. Dr. Andrea Kleiner von der Kolping Hochschule. Sie erklärt, wie man sich im Homeoffice gut organisiert - und wann das an Grenzen stößt.
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