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04.08.2026
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DEUTSCHE RADIOMACHER VERPASSEN TREND

Werbeinvestitionen könnten zu Ungunsten des traditionellen Radios umgeschichtet werden

Bernt von zur Mühlen, Geschäftsführender Gesellschafter der MedienKultur GmbH in Luxemburg

Bernt von zur Mühlen, Geschäftsführender Gesellschafter der MedienKultur GmbH in Luxemburg [Quelle: MedienKultur GmbH]


Die deutschen Radiomacher haben ein zu schematisches Verständnis von Format-Radio. Das sagt Bernt von zur Mühlen, Geschäftsführender Gesellschafter der MedienKultur GmbH in Luxemburg. Das könnte ihnen mittelfristig auf die Füße fallen, prophezeit der namhafte Publizist und Coach. Wenn die Podcasting-Angebote dank verbesserter Algorithmen den Weg zum Nutzer finden und die Werbungtreibenden auf die neuen Dienste umschwenken, könnte es in naher Zukunft passieren, dass die Werbespendings zu Ungunsten des traditionellen Radios umgeschichtet werden.


In den USA boomt das Angebot für Audio-OnDemand. Wie erklären Sie sich diese Erfolgsgeschichte, was macht Podcasts so interessant?
Podcasting ist ein junges und noch nicht ganz erwachsenes Kind der neuen medialen Ära „ Pull statt Push“. Netflix, Amazon,Appel,Google& Co bauen das neue Lego-System „ Pull statt Push“. Man könnte auch sagen OnDemand. Aber OnDemand ist auch nur ein Übergang, weil noch zu kompliziert. Langes Suchen im Netz nach interessanten Podcast-Beiträgen ist die Phase der Kinderkrankheit. Wenn die Podcasts aufgrund von BigData und verbesserter Algorithmen den Nutzer finden und ihm das servieren, was er will, dann kann Podcast ein weiteres Mal reussieren. In den USA ist die konvergente Medienlandschaft stärker technikgetrieben. Europa muss immer mehr gebeten werden und hat Technik-Skepsis in den Genen. Die knapp 100 Millionen US-Bürger, die ab 12 Jahren schon Podcast genutzt haben sind erst ein Anfang.

In Europa und in Deutschland dagegen ist der Erfolg noch vergleichsweise gering. Hat hier das öffentlich-rechtliche und private Radio zu viel Macht?
Die sich auf Musik fokussierten kommerziellen Radios in Europa und Deutschland werden dann zu Partnern von Poadcasting, wenn sie die großen Entertainment-Chancen in der Produktion von Shows und Serials entdecken. Das setzt allerdings eine perfekte Handwerklichkeit und Lust am Invest voraus. Diese Handwerklichkeit ist aber durch ein schematisches Verständnis von „Format-Radio“ nicht mehr vorhanden.Die Public Services werden es mit Podcasting leichter haben. Allerdings brauchen sie medienpolitischeLiberalität bei Big Data und müssen verstehen, das Podcasting nicht eine Lagerhalle ist, in die man ohne große Kuratierung und Marketing all das reinstellt, was schon mal linear über die Antennen gegangen ist. Podcast ist nicht eine Darreichung von Inhalten aus dem Radio mit der Geste „ hier haben wir noch etwas – das Sie hören können, wann Sie wollen“, sondern Podcast ist eine 3.Dimension.

Welche Entwicklung prophezeien Sie den europäischen Märkten auch im Hinblick auf den wachsenden Erfolg von Streamingangeboten?
Zunächst ist es eine Schlacht zwischen Anbietern, die alle noch nicht den Durchbruch geschafft haben. Ökonomisch. Nach der Verdrängungsphase wird sich der Nebel heben. Da es kein ernstzunehmenden europäischen Streaming-Plattformen gibt und die Abgaben an die marktbeherrschenden Labels hoch sind, werden die Plattformen im Streaming Ecosystem gewinnen, die mit langem Atem brilliante Informatiker finanzieren. Die dann den Dreh finden, wie mich meine Musik, meine Podcasts etc. finden. Es ist eine Frage von Einsatz „Künstlicher Intelligenz“.

Welche Audiovertriebswege empfehlen Sie der Hörfunkbranche im Hinblick auf eine stabile Werberelevanz?
Noch wird alles beim Alten bleiben. Man verkauft sich im Vergleich zu anderen Werbeträgern zu billig. Wenn allerdings im digitalen Content, in den digitalen Daten der Audiowelt – wie es z.Zt. Nielsen in den USA mit dem Software Kit (SDK) testet, alle Aspekte wie „Downloading“, „Offline Listening“,“Online Listening“ etc. gemessen werden können, - dann kann es sein, dass die Werbespendings teilweise – zu Ungunsten des traditionellen Radios – umgeschichtet werden. Das setzt voraus, dass entsprechende Software in Playern oder Apps integriert sind.