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03.10.2026
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HARTER WETTBEWERB BREMST DIGITALISIERUNG DER LUFTFAHRT

Hahn Air für mehr Flexibilität mithilfe disruptiver Geschäftsmodelle

Jörg Troester, Head of Corporate Strategy, Industry and Government Affairs bei Hahn Air

Jörg Troester, Head of Corporate Strategy, Industry and Government Affairs bei Hahn Air [Quelle: Hahn Air]


Harter Wettbewerb und hauchdünne Margen bremsen die Digitalisierung der Luftfahrt. Daher wirbt die deutsche Fluggesellschaft Hahn Air jetzt für mehr Flexibilität durch disruptive Geschäftsmodelle. Wie Jörg Troester, Head of Corporate Strategy, Industry and Government Affairs bei Hahn Air, im Interview auf Meinungsbarometer.info sagte, "wäre es in Zukunft zum Beispiel denkbar, dass Airlines weitere Geschäftssegmente auslagern und sich zum Beispiel auf einen Marketingkern beschränken. Gleichzeitig könnten sich andere Airlines auf den Flugbetrieb und wieder andere Unternehmen auf den Vertrieb spezialisieren".


Nach einer aktuellen Untersuchung des Verbandes Bitkom teilt sich die Luftfahrtbrache in Sachen Digitalisierung in Vorreiter und Nachzügler. Wie kommt es Ihrer Ansicht nach zu dieser Kluft?
Hier unterscheidet sich die Luftfahrtbranche nicht von anderen Branchen: Wenn es um umfassende Neuerungen geht, gibt es immer die, die neue Technologien sofort annehmen und adaptieren und andere, die erstmal abwarten. Das kann verschiedene Gründe haben. Eine Rolle spielt sicherlich die Größe und wirtschaftliche Lage eines Unternehmens und die Ressourcen, sowohl finanzielle wie auch personelle, die für Digitalisierungsmaßnahmen bereitgestellt werden können. Oft kämpfen gerade kleinere Unternehmen mit operationellen und finanziellen Herausforderungen. Gerade in der Luftfahrtbranche ist der Wettbewerb hart und die Margen hauchdünn. Außerdem befinden wir uns in einer Phase der Konsolidierung, d.h. viele Airlines werden aufgekauft oder zusammengelegt – oder müssen sogar den Betrieb ganz einstellen. Da ist es durchaus verständlich, dass nicht alle Marktteilnehmer den „Luxus“ haben, eine Vorreiterstellung einnehmen zu können.

Bei Passagierflügen setzen viele Airlines bereits auf digitale Buchung, Check-Ins usw. Wie lässt der Prozess noch effizienter gestalten?
Es ist richtig, dass die meisten Fluglinien bereits moderne Buchungs- und Check-in-Lösungen einsetzen, aber das gilt eben nur für den direkten Ticket-Verkauf, zum Beispiel über die eigene Website. Nach wie vor liegen die großen Herausforderungen im indirekten Vertrieb und die Branche ist sich seit langem der immensen Einschränkungen bewusst, die die umständlichen Reservierungs- und Verkaufs-Prozesse mit sich bringen. Aus diesem Grund hat die International Air Transport Association (IATA) auch die Projekte „New Distribution Capability“ (NDC) und „ONE Order“ ins Leben gerufen. Beide Initiativen zielen letztlich auf eine verbessertes Kauf- und Reiseerlebnis beim Kunden ab. Bei ersterem handelt es sich um die Entwicklung eines neuen Kommunikationsstandards, der eine Vereinfachung und letztlich eine „Amazonisierung“ des Flugticketvertriebs mit sich bringen wird. Für den Kunden bedeutet das mehr Transparenz, personalisierte Angebote und die Möglichkeit, ganz einfach zusätzliche Leistungen wie Mahlzeiten, Übergepäck und Beinfreiheit dazu zu buchen. Bei ONE Order, die übrigens kürzlich auf der Passenger Service Conference in Dubai in einer offiziellen Abstimmung angenommen wurde, geht es um eine grundsätzliche Modernisierung der Vertriebsprozesse, die letztlich dazu führt, dass alle Passagierdaten in einem einzigen System gespeichert werden. Auch hier profitiert der Kunde durch verbesserte Voraussetzungen für die Leistungserbringung bei allen Beteiligten – von der Buchung, über den Check-in bis hin zum Flug und zur Gepäckabholung -, denn alle haben einfachen Zugriff auf die Reisedetails.

Ein Trend ist die Drohen-Technologie. Wo sehen Sie die größten Potenziale für die unbemannte Luftfahrt? Ggf.: welcher Gefahren könnten durch den Einsatz von Drohnen drohen?
Eine große Herausforderung für die unbemannte Luftfahrt ist neben den Sicherheitsrisiken, zum Beispiel durch Hackerangriffe, dass hier keine einheitlichen Regularien existieren. Sicherlich gibt es hier großes Potential in den verschiedensten Bereichen, vom Versandhandel über Sicherheitsthemen bis hin zu Einsätzen im Rettungs- und Gesundheitswesen, doch ein großflächiger Einsatz der Technologie liegt meiner Meinung nach noch weit in der Zukunft. Die European Regions Airline Association (ERA), bei der Hahn Air Mitglied ist, bemüht sich zusammen mit Partnern derzeit um die Entwicklung von Regelungen zum sicheren und effizienten Einsatz dieser Zukunftstechnologie.

Die Studie sieht auch Chancen für völlig neue Geschäftsmodelle in der Luftfahrt. Welche halten Sie für möglich und wahrscheinlich?
Gerade durch die erwähnte New Distribution Capability gibt es Raum für ganz neue Geschäftsmodelle in der Luftfahrtbranche. Bereits heute delegieren viele Airlines Teilaspekte ihres Geschäfts an Subunternehmen, zum Beispiel Wartung, Catering oder Ground Control. In der Zukunft wäre es zum Beispiel denkbar, dass Airlines weitere Geschäftssegmente auslagern und sich zum Beispiel auf einen Marketingkern beschränken. Gleichzeitig könnten sich andere Airlines auf den Flugbetrieb und wieder andere Unternehmen auf den Vertrieb spezialisieren, so wie es Hahn Air Systems übrigens bereits heute tut. Wir werden eine ganz neue Ära in der Luftfahrbranche erleben und disruptive Geschäftsmodelle werden eine ganz neue Flexibilität mit sich bringen, von der letztendlich auch der Kunde profitieren wird. Denn er wird dadurch in Zukunft genau das buchen und kaufen können, was er braucht und möchte. Vom reinen Flug ohne Verpflegung, ohne Gepäck und ohne Service bis hin zum Rundum-Sorglos-Paket mit Shuttle-Service, Upgrade und persönlicher Betreuung ist alles möglich. Buchen und Reisen „à la carte“ sozusagen.