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03.10.2026
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LUFTFAHRTBRANCHE OHNE DIGITALSTRATEGIEN

Warum Kooperationen mit Unternehmen der Digitalbranche und Start-ups her müssen

Marc Bachmann, Bereichsleiter Luftfahrt und Verteidigung bei Bitkom

Marc Bachmann, Bereichsleiter Luftfahrt und Verteidigung bei Bitkom [Quelle: Bitkom]


95 Prozent der Luftfahrt-Manager betrachten die Digitalisierung als Chance. Aber nur 41 Prozent haben zentrale Strategien zur Digitalisierung in ihren Unternehmen etabliert. Keine gute Quote meint auch Marc Bachmann, Bereichsleiter Luftfahrt und Verteidigung bei Bitkom. Er fordert jetzt Kooperationen mit Unternehmen der Digitalbranche und Start-ups, damit frischer Wind in in die traditionsreiche Branch kommt, "um neue Projekte zum Fliegen zu bringen".


Nach einer aktuellen Untersuchung des Verbandes Bitkom teilt sich die Luftfahrtbranche in Sachen Digitalisierung in Vorreiter und Nachzügler. Wie kommt es Ihrer Ansicht nach zu dieser Kluft?
Obwohl die Studie gezeigt hat, dass 95 % der befragten Luftfahrt-Manager die Digitalisierung als Chance betrachten, haben nur 41 % zentrale Strategien zur Digitalisierung in ihren Unternehmen etabliert. Es gibt also eine große Diskrepanz zwischen der Wahrnehmung des Phänomens Digitalisierung und dem tatsächlichen Umgang damit. Um die Digitale Transformation erfolgreich zu gestalten, müssen die Unternehmen den Wandel aber strategisch angehen. Es kann etwa sinnvoll sein, mit großen Unternehmen der Digitalbranche und Start-ups zu kooperieren. Diese bringen neben reichlich Digital-Know-how häufig auch frischen Wind in traditionsreiche Branchen und können helfen, neue Projekte zum Fliegen zu bringen.

Bei Passagierflügen setzen viele Airlines bereits auf digitale Buchung, Check-Ins usw. Wie lässt sich der Prozess noch effizienter gestalten?
Die Customer Journey in der Luftfahrt – also das Reiseerlebnis von der Buchung bis zur Ankunft – wird durch die Digitalisierung insgesamt deutlich einfacher und bequemer, sowohl am Boden als auch in der Luft. Künftig könnte der Einsatz von Augmented Reality bei der Orientierung am Flughafen helfen, Smart Glasses etwa könnten die Passagiere zum Gate lotsen. Auch der vollautomatische Check-in mit Gepäckautomaten macht das Reiseerlebnis komfortabler. An Bord wird es künftig üblich sein, dass Passagiere ihren eigenen Video- oder Audio-Streaming-Dienst über das In-Flight-Entertainment-System nutzen können. Fluggäste werden mit ihrem Smartphone telefonieren und über einen Internetzugang surfen können. Die Mehrheit der Luftfahrt-Manager erwartet zudem, dass Passagiere zukünftig an Bord online shoppen und die gekauften Waren dann nach der Landung am Gepäckband abholen können. Die Möglichkeit, den Aufenthaltsort des eigenen Gepäcks mittels Smartphone-App in Echtzeit zu verfolgen, wird nach Ansicht der Luftfahrt-Experten ebenfalls verbreitet sein. Zu vielen dieser Beispiele gibt es auch schon konkrete Projekte und Prototypen, allerdings wird die flächendeckende Verfügbarkeit noch einige Zeit auf sich warten lassen. Zusammenfassend lässt sich aber schon heute sagen, dass Flugreisen künftig deutlich effizienter gemanagt werden können, unter anderem auch deshalb, weil Airlines und Flughafenbetreiber die Passagiere zielgerichteter lenken können.

Ein Trend ist die Drohnen-Technologie. Wo sehen Sie die größten Potenziale für die unbemannte Luftfahrt? Ggf. welcher Gefahren könnten durch den Einsatz von Drohnen drohen?
Nach unserer Ansicht werden Drohnen zukünftig besonders intensiv im Bereich öffentliche Sicherheit genutzt. Außerdem können Drohnen besonders sensible Anlagen oder Objekte schützen. Im Katastrophenfall dringen sie in schwer zugängliches Gelände vor. Aber auch in der Wirtschaft werden Drohnen zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Einsatzszenarien ergeben sich beispielsweise in der Landwirtschaft, etwa um Saatgut oder Dünger auszubringen, oder im Handel, um Pakete zu transportieren.
Um die Technologie nicht zu hemmen, aber auch rechtssichere und nachvollziehbare Regeln zu etablieren, gibt es sowohl auf nationaler Ebene durch das BMVI als auch auf europäischer Ebene durch die EASA Regulierungsbestrebungen. Der Bitkom hat sich hier konstruktiv-kritisch eingebracht.

Die Studie sieht auch Chancen für völlig neue Geschäftsmodelle in der Luftfahrt. Welche halten Sie für möglich und wahrscheinlich?
Natürlich ist die Luftfahrtbranche eine sehr traditionsreiche Branche mit Geschäftsmodellen, die auch noch heute funktionieren. Aber die digitale Transformation eröffnet auch in diesem Bereich Chancen für neue Geschäftsmodelle. Sehr großes Potenzial steckt in der Datenauswertung. Bei einem datenbasierten Geschäftsmodell könnte ein Unternehmen beispielsweise Informationen zum Passagierverhalten an Flughäfen auswerten und darauf aufbauend eine Navigations-App entwickeln. Auch plattformbasierte Geschäftsmodelle sind die Zukunft. Dabei können über eine digitale Plattform beispielsweise Luftfracht und verfügbare Flugzeuge zusammengebracht werden. Verbreitet sein werden auch Geschäftsmodelle, die auf dem Prinzip der Share Economy beruhen, so etwa Mitflugzentralen. Ebenfalls Potential haben Geschäftsmodelle, bei denen zum Beispiel Triebwerke nutzungsabhängig vergütet werden.